„Ich versuche jedem Patienten einen herzlichen Moment zu schenken“

Vanessa-Alexandra Neroch: Mit Herz und Leidenschaft Zahnärztin, Chefin und bald auch Mama

Mit dem LUXX Award zeichnen wir junge Zahnmediziner aus, die ihren Weg gehen, ihren Träumen selbst Flügel verleihen und auf ihre Weise Verantwortung übernehmen. Dabei geht es uns nicht darum, die schönsten Praxisbilder oder eine besonders schicke Praxiseinrichtung zu prämieren. Vielmehr zeichnen sich die LUXXter durch ihre ganz eigenen „Ecken und Kanten“ aus – Besonderheiten in ihrer beruflichen Zielsetzung, auf ihrem Lebensweg oder in einem speziellen Praxiskonzept. Der LUXX ist ein „Mutmachpreis“. Er will Wege aufzeigen und junge Zahnmediziner motivieren, ihre Träume und Berufsziele umzusetzen. Deren Projekte präsentieren wir in der dzw so­wie auf der Website des LUXX, bevor die Besucher von www.luxxaward.de in einem öffentlichen Online-Voting über ihre Favoriten abstimmen – und so darüber entscheiden, wer den Titel „LUXX des Jahres“ verdient hat. Als dritten LUXXter 2019 lernen Sie Vanessa-Alexandra Neroch aus Berlin kennen.

Frau Neroch, wie kam der Name „Zahnarztpraxis mit Herz“ zustande?

Vanessa-Alexandra Neroch: Ich bin eine Frau mit Herz, begegne den Menschen auf Augenhöhe und versuche in meiner Praxis jedem Patienten einen herzlichen Moment zu schenken. Zahnmedizin ist für mich mehr als mein Beruf – er ist Berufung und Leidenschaft aus vollem Herzen. Der Mensch steht bei uns stets im Zentrum. Das spiegelt sich natürlich auch in unserer Wohlfühlpraxis wider.

Wie kann man sich Ihre Praxis vorstellen?

Neroch: Ich versuche in meiner Praxis einen Raum zu schaffen, in dem sich Patienten wohlfühlen. Der Hingucker im Wartezimmer ist eine verträumte Wolkentapete, die es jedem ermöglicht, fünf Minuten dem Alltag zu entfliehen. Die Patienten nutzen ihre kurze Wartezeit zum Entschleunigen. Wir haben für unsere Patienten frische Getränke mit Minze oder Früchten, aber auch Kaffee und Tee. Die Patienten sind begeistert, wenn sie die Praxis betreten, und begegnen uns als erstes mit einem Lächeln. Das ist das größte Kompliment für uns. Darüber hinaus sind wir eine junge moderne Praxis, die zahnmedizinisch versucht, immer am Puls der Zeit zu sein.

Was zeichnet Sie, neben dem Design Ihrer Praxis, aus?

Neroch: Ich sehe den Menschen als Ganzes und beschränke mich nicht ausschließlich auf den zahnmedizinischen Bereich. Vor zwei Jahren habe ich mein Curriculum in zahn­ärztlicher Akupunktur abgeschlos­sen und sehe das als tolle Erweiterung und Bereicherung der Behandlungsmöglichkeiten. Außerdem wurde mir in dem Curriculum ein Einblick in die Welt der Naturheilkunde vermittelt. Ich bin fasziniert, welche tollen Ergänzungen diese Art der Behandlung zur normalen Schulmedizin bietet. Da grei­fe ich gerne auf meine kleine Samm­lung Globuli zurück. Seit Kurzem bieten wir zusätzlich vegane Prophylaxe in unserer Praxis an.

Was ist der Unterschied zwischen einer konventionellen und der veganen Prophylaxe?

Neroch: Die Behandlung unterscheidet sich in unserer Praxis in der Auswahl der verwendeten Produkte, die ausschließlich vegan sind, aus natürlichen pflanzlichen Inhaltsstoffen bestehen und frei von Tierversuchen sind. Patienten, die das in Anspruch nehmen, sind begeistert. Und wir greifen damit das aktuelle Lebensgefühl vieler Berliner auf, die gesundheitsbewusst, ökologisch und vegan leben.

Wie wird die alternative Behandlung von Patienten angenommen?

Neroch: Immer mehr Patienten interessieren sich dafür, und wir sind dabei, dieses neue Konzept auszubauen, damit die vegane Prophylaxe bekannt wird und möglichst vielen Berlinern zur Verfügung steht.

Und ihr Team zieht mit?

Neroch: Ja, ich habe sehr großes Glück, dass ich drei wundervolle Kolleginnen an meiner Seite habe, die mein Konzept verstehen, es gemeinsam mit mir leben und umsetzen. Meine Kollegen und ich gehen voll und ganz in unserem Beruf auf und sind jeden Tag mit Herz dabei, was bei den Patienten gut anzukommen scheint. Mein Team sieht sich als Teil des Ganzen. Das ist Gold wert. Nebenbei pflegen wir ein freundschaftliches Verhältnis, weshalb das Du bei uns großgeschrieben wird. Auch gegenüber den Patienten ist das Du an der Tagesordnung.

Wie reagieren Patienten darauf, wenn sie von Ihnen geduzt werden?

Neroch: Anfänglich war es für die übernommenen Patienten befremdlich. Doch nach einer kurzen Zeit vertrauten sie uns, empfinden es bis heute als angenehm. Sie schätzen es, dass ein neuer herzlicher Wind weht. Das macht unsere Arbeit jeden Tag leichter und bereitet uns allen viel Freude.

Sie sind sechs Monate nach ihrer Selbstständigkeit schwanger geworden – wie verträglich sind die Rollen Chefin und Mutter?

Neroch: Leicht ist es keinesfalls. Aber ich bin mit Herz und Leidenschaft Zahnärztin, Chefin und bald auch Mama. Ich liebe den täglichen Umgang mit Menschen und meine Arbeit. Damit stand für mich fest, dass ich so lange wie möglich arbeiten möchte. Was ich tue, tue ich mit Herz, Seele und Liebe. Meine Arbeit schenkt mir trotz der neuen körperlichen Herausforderung Kraft und viel Freude. Ich muss nur lernen, gelegentlich einen Gang runterzuschalten. Mit dickem Bauch geht halt alles nicht mehr so schnell. Die Patienten freuen sich mit mir und haben volles Verständnis, wenn ich mal nicht 200 Prozent, sondern nur 150 Prozent geben kann. Sie kön­nen es kaum erwarten, ne­ben dem Klang der Behand­lungsins­tru­men­te gelegent­lich ein Babylachen zu hören – Familienpraxis eben.

Was ist die Besonderheit am Umgang mit Kindern und Schwangeren?

Neroch: Ich habe bereits als Kinder- und Jugendzahnärztin gearbeitet und finde es toll, Kinder beim Heranwachsen zu begleiten und ihnen Freude bei jedem Besuch in der „Praxis mit Herz“ zu schenken. Mir ist es wichtig, bei der Behandlung der Kleinsten stets ehrlich zu sein, ihnen zuzuhören und Raum für ihre Ängste und Sorgen zu geben. Werdende Mütter sind bei uns ebenso ein Thema. Jede Schwangerschaft geht nicht nur mit großen körperlichen Veränderungen einher, sondern kann auch massive Auswirkungen auf die Mundhöhle haben. Dabei ist Aufklärung, Unterstützung und Begleitung der Schwangeren das A und O. Nur mit Wissen kann man verändern.

Wie sieht Ihr Plan für die Zukunft aus?

Neroch: Ich mache mir nichts aus großen Plänen. Denn es kommt häufig doch alles anders, als man glaubt. Seit meiner Tätigkeit als Zahnärztin beschäftige ich mich mit der Behandlung von Kindern und Schwangeren. Darüber hinaus versuchen wir, mit unserem Rundumwohlfühlkonzept für jeden Patienten den richtigen Ton für seine individuelle Behandlung zu treffen. Gerne möchte ich mein Curriculum in zahnärztlicher Hypnose machen und allgemein meine Kenntnisse in allen Bereichen der Zahnmedizin vertiefen. Wir alle besuchen regelmäßig Fortbildungen, die unseren Horizont erweitern, oder tauschen uns in den sozialen Netzwerken mit anderen Kollegen aus. Stillstand kommt für uns nicht infrage. Ehrliche Zahnmedizin und auf Augenhöhe mit den Patienten zu sein steht bei uns an erster Stelle. Hinzu kommt, dass ich mit meinem Team glücklich bin. Ich möchte meine kleine Familienpraxis mit Wohlfühlcharakter und Herz in Berlin etablieren und Patienten Raum für Individualität geben.

Ihre Praxis existiert seit Juli 2018 – wann haben Sie sich für die Bewerbung beim LUXX Award entschieden?

Neroch: In gemütlicher Mittags-­Teamrunde bei Pizza, zwei Tage vor Abgabeschluss. Gerechnet haben wir mit der Endauswahl nicht. Entsprechend haben wir uns über den Anruf wie Bolle gefreut und konnten es kaum fassen, dass unsere kleine Familienpraxis so gut ankommt.

Worin sehen Sie die Vor- und Nachteile in der Selbstständigkeit?

Neroch: Da ich im achten Monat schwanger bin, stehe ich vor körperlichen Herausforderungen, sodass ich mir und meinem heranwachsenden Baby den Luxus eines freien Freitags gönne. Darüber hin­aus habe ich ein tolles und herzliches Team hinter mir, was mich mit all seine Kraft in der Schwangerschaft unterstützt, sodass ich trotz der neuen Herausforderung die Möglichkeit habe, acht Stunden meiner Leidenschaft, der Zahnmedizin, nachzugehen. Dafür bin ich mehr als dankbar. In Summe ist die Selbstständigkeit trotz Berg- und Talfahrten toll, und ich kann es jedem empfehlen, dem der Umgang mit Menschen am Herzen liegt. Niemandem Rechenschaft abzulegen, außer sich selbst und seinen Patienten, ist für mich bis heute sehr befreiend. Manchmal wünsche ich mir mehr Selbstbestimmung und sich weniger dem gesetzlichen Wirrwarr und der gesamten Bürokratie unterordnen zu müssen. Mehr Medizin, weniger Bürokratie!

Hendrik Stüwe, ­Eislingen (Fils)