Auf Umwegen ans Ziel – Die ersten LUXXter 2018
Pasquale Schneider und Samim Zalgai

Haben die Jury überzeugt – Pasquale Schneider und Samim Zalgai

Mit dem LUXX Award zeichnen wir junge Zahnmediziner aus, die ihren eigenen Weg gehen, ihren Träumen selbst Flügel verleihen und auf ihre Weise Verantwortung übernehmen. Dabei geht es uns nicht etwa darum, die schönsten Praxisbilder oder eine besonders schicke Praxiseinrichtung zu prämieren. Vielmehr zeichnen sich die LUXXter durch ihre ganz eigenen „Ecken und Kanten“ aus – Besonderheiten in ihrer beruflichen Zielsetzung, ihrem Lebensweg oder einem speziellen Praxiskonzept. Der LUXX ist ein „Mutmachpreis“. Er will Wege aufzeigen und junge Zahnmediziner motivieren, ihre Träume und Berufsziele umzusetzen. Im Februar 2018 tagte die LUXX-Jury, um aus den vielen Bewerbungen die vier überzeugendsten auszuwählen. Eine der vier Gewinnerpraxen ist das Zahnzentrum Wagenfeld von Pasquale Schneider und Samim Zalgai.

Vom 1. bis zum 31. Juli 2018 wird der LUXX des Jahres in einem Online-Voting hier auf www.luxxaward.de gewählt.
Freunde, Bekannte, Patienten und Kollegen
können dann für „ihren“ LUXXter voten.

Herr Schneider, Sie haben nach der 12. Klasse die Schule abgebrochen und sich für vier Jahre als Zeitsoldat verpflichtet. Später bewarben Sie sich bei Polizei und Bundesgrenzschutz, bevor Sie drei Jahre für einen Ventile-Hersteller gearbeitet haben. Wie und warum sind Sie mit fast 38 Jahren zum Zahnarzt mit eigener Praxis geworden?
Pasquale Schneider: Den Entschluss, Zahnarzt zu werden, habe ich schon mit 16 Jahren gefasst. Zumindest war mir damals schon klar, dass ich mal in einem medizinischen Beruf arbeiten wollte. Und weil ich als Kind beim Zahnarzt, im wahrsten Sinn des Wortes,stets gut behandelt worden bin, sollte es genau dieser Beruf sein.

Indem Sie der Schule noch vor dem Abitur „Adieu“ sagten, machten Sie sich aber zunächst selbst einen dicken Strich durch die Karriere-Planung …
Schneider: Ja – leider. Damals steckte ich nach der 12. Klasse in einer Art Selbstfindungsphase. Ich war orientierungslos, mir fehlte die Perspektive. Und genau so habe ich mich dann auch verhalten. Der Pflichtdienst bei der Bundeswehr war eine willkommene Notlösung. Und weil mir konkrete Zukunftspläne fehlten, verpflichtete ich mich gleich als Zeitsoldat.

Zahnbehandlung unter Bambus

Wie haben Sie es dann doch noch geschafft, das Abitur nachzuholen und Zahnmedizin zu studieren?
Schneider: Nachdem ich sechs Monate Grundwehrdienst abgeleistet hatte, wurde mir schlagartig klar: Bundeswehr – das kann karrieretechnisch nicht alles gewesen sein! Zumal der Wunsch Zahnarzt mich nie wirklich losgelassen hat. Also habe ich am Abendgymnasium mein Abitur nachgeholt. Da ich als Kommandeursfahrer viel unterwegs war, kam ich oft zu spät zum Unterricht. Den versäumten Lehrstoff musste ich dann nacharbeiten.

Im Juni 2004 haben Sie dann das Abitur gemacht. Wobei Ihr Notendurchschnitt ein Zahnmedizinstudium zunächst nicht zuließ – denn der lag bei 3,0 …
Schneider: Stimmt. Heute wäre es völlig utopisch, sich um einen Studienplatz zu bewerben. Damals konnte man Wartesemester anhäufen. Darum habe ich die Übergangszeit mit dem Job beim Ventile-Hersteller überbrückt – und mich alle sechs Monate aufs Neue beworben. Die Zusage kam dann nach drei Jahren, zum Wintersemester 2008/2009. Ich konnte mein Glück kaum fassen.

Herr Zalgai – Sie und Pasquale Schneider waren in Kassel auf derselben Schule. Seitdem sind Sie eng befreundet. Hat Sie seine Beharrlichkeit, am Traumjob festzuhalten, erstaunt?
Samim Zalgai: Nicht wirklich. Denn er hat ja schon immer davon geschwärmt, Zahnarzt zu werden. Ich fand es weniger überraschend, dass er in der Bundeswehr-Zeit das Abitur nachholen wollte. Vielmehr toll und bewundernswert.

Grün harmonisiert – chinesischer Garten von der Vorgängerin übernommen

Ist Ihr eigener Karriereweg denn in deutlich geraderen Bahnen verlaufen als der Ihres Kompagnons?
Zalgai: Ehrlich gesagt – nicht ganz (lacht). Ich habe zwar mein Abi zunächst ordnungsgemäß gemacht, wusste damals aber nicht wirklich, was ich beruflich machen wollte. Darum jobbte ich nach dem Zivildienst ein Jahr lang unter anderem als Kellner und Messebauer. Und weil ich Chemie als Leistungskurs hatte, studierte ich dann in Köln Chemie.

Wie kam es dann zum Wechsel in die Zahnmedizin?
Zalgai: Meine Schwester studierte in Köln Medizin und zeigte Pasquale und mir dort den Anatomie-Saal. Weil ich schon immer gerne handwerklich gearbeitet habe und Pasquale dauernd von der Zahnmedizin schwärmte, wechselte ich kurzerhand das Fach. Denn mir war inzwischen klar, dass ich nicht den ganzen Tag im Labor stehen wollte.

Am 7. September 2018 verleihen wir im Rahmen unseres neuen Formats dzw on tour die LUXX Awards in einer Vip-Lounge von Borussia Dortmund im Signal Iduna Park.
BFS health finance unterstützt die Preisverleihung und ist damit der erste Sponsor des LUXX Award.

Wann und wo sind Sie sich dann beruflich wieder begegnet? Und wie kam es dazu, sich gemeinsam selbstständig zu machen?
Schneider: Das war im Mai 2013. Zufällig besuchten wir dieselbe Fortbildung an meinem Studienort Heidelberg. Zuvor hatten wir uns zwei Jahre ein wenig aus den Augen verloren. Im Seminar waren wir auf Anhieb wieder beste Kumpel und entwickelten fast automatisch eine gemeinsame berufliche Vision.

Wie ging es dann weiter?
Schneider: Weil ich meine Assistenzzeit im Ruhrgebiet absolvierte und auch Samim zu dieser Zeit dort lebte und arbeitete, schauten wir uns in Nordrhein-Westfalen und später auch in Niedersachsen nach geeigneten Übernahmepraxen um. Es gab aber nur klassische Ein-Behandler-Praxen.

Zalgai: Trotz langwieriger Suche gab es keine geeignete Praxis. Wir ließen uns auf den Vorschlag eines Depots ein, zu gründen, und fanden bei Oldenburg ein Ärztehaus, in das wir sofort hätten einziehen und wo wir unsere Vision perfekt hätten umsetzen können.

Wartebereich asiatisch

Stattdessen kam es doch noch zu einer Praxisübernahme. Wie das?
Schneider: Weil wir – obwohl die Entscheidung eigentlich schon gefallen war – damals noch einen allerletzten Besichtigungstermin wahrnahmen. Und als wir die Räume in Wagenfeld betraten, war es um uns geschehen. Allein im Erdgeschoss ist Platz für fünf Behandlungszimmer, den Röntgenraum, Empfang und Wartezimmer. Und im zweiten Stock besteht die Option, auf rund 200 Quadratmetern ein Prophylaxe-Zentrum einzurichten. Uns war sofort klar: Besser geht es nicht.

Zalgai: Weil wir aus unserer Begeisterung keinen Hehl machten, erteilte uns die Vorgängerin spontan den Zuschlag. Statt die Räume zu mieten, haben wir das Gebäude mit Grundstück dann gleich gekauft. Denn die wirtschaftliche Analyse zeigte, dass dies auf Dauer günstiger sein würde. Zudem wollten wir Planungssicherheit.

Die hohe Kreditsumme, die Sie dafür aufnehmen mussten, hat Ihnen keine schlaflosen Nächte bereitet?
Zalgai: Tatsächlich wurde uns zunächst ein wenig schwindlig. Aber die Gelegenheit war einfach einmalig und wir hatten das Gefühl angekommen zu sein. Ein Vorteil war, dass wir die Praxis fast so übernehmen konnten, wie sie war. Umgestaltet haben wir lediglich den Empfangs- und Wartebereich.

Neben den Praxisräumen haben Sie vom Vorgänger auch das Praxis-Team übernommen …
Ja, das war Bestandteil des Vertrags. Hier haben wir die Katze im Sack gekauft. Denn es gab vorab nicht wirklich Gelegenheit, die einzelnen Mitarbeiter genauer kennenzulernen. Umso positiver waren wir dann von der tollen Team-Chemie überrascht, die von Beginn an herrschte – zumal das ja auch die Patienten spüren. Wir haben in dieser Hinsicht richtig Glück gehabt. Ganz toll war es übrigens auch, dass wir beide tatsächlich als Chefs wahrgenommen werden: Alles, was wir sagen, wird auch gemacht (lacht).

Zwei, die über Umwege angekommen sind | Fotos: Schneider, Zalgai

Wie sieht Ihr Praxiskonzept aus?
Schneider: Wir bieten zwar auf den ersten Blick nur allgemeine Zahnmedizin an, dies aber auf einem Level, wie es bei anderen Praxen auf dem Land sonst sicher nur selten zu finden ist. So haben wir gleich am Anfang in ein DVT und andere aus unserer Sicht notwendige Technologien investiert.

Zalgai: Dazu gehört für uns auch die konsequente Digitalisierung der Praxis. Unsere Vorgängerin hatte zwar schon in die EDV investiert, aber das meiste lief noch über Karteikarten. Wir stehen kurz davor, die Digitalisierung abzuschließen.

Sie haben 14 Mitarbeiterinnen. Wie leicht fällt Ihnen die Chefrolle?
Schneider: Chef sein ist völlig anders, als ich es mir vorgestellt habe. Ich dachte, wir würden morgens in die Praxis kommen, die Patienten behandeln, die Abläufe kontrollieren – und das war’s. Aber vieles ist nicht kalkulierbar, wie etwa Krankheitsfälle. Dann muss man spontan umorganisieren. Da wächst man aber hinein. Was mir als Kontrollfreak deutlich schwerer fiel – gewisse Aufgaben abzugeben. Aber nachdem ich gemerkt habe, was wir für ein tolles Team haben, klappt auch das jetzt ganz gut (lacht).

Zalgai: Zwischen den Optionen „Anweisungen erteilen“ und „Recht auf Mitsprache“ liegt bisweilen ein schmaler Grat. Wichtig ist vor allem, dass sich das Team jederzeit mitgenommen fühlt. Darum erklären wir immer wieder, warum wir bestimmte Dinge so und nicht anders machen möchten oder ändern. Denn ohne funktionierendes Team ist eine Zahnarztpraxis nicht viel wert.

Warum haben Sie sich eigentlich um den LUXX Award beworben?
Zalgai: Wir haben uns in der Idee wiedererkannt. Unser Weg ist ja tatsächlich nicht ganz alltäglich. Zudem möchten wir andere junge Kollegen ermutigen, sich selbstständig zu machen und vielleicht auch mal gegen den Strom zu schwimmen.