Nicht immer prima Klima – Der dritte LUXXter 2018 Malte Schaefer
hat die Praxis seines Vaters übernommen

Auch Malte Schaefer hat die Jury überzeugt

Mit dem LUXX Award zeichnen wir junge Zahnmediziner aus, die ihren eigenen Weg gehen, ihren Träumen selbst Flügel verleihen und auf ihre Weise Verantwortung übernehmen. Dabei geht es uns nicht etwa darum, die schönsten Praxisbilder oder eine besonders schicke Praxiseinrichtung zu prämieren. Vielmehr zeichnen sich die LUXXter durch ihre ganz eigenen „Ecken und Kanten“ aus – Besonderheiten in ihrer beruflichen Zielsetzung, ihrem Lebensweg oder einem speziellen Praxiskonzept. Der LUXX ist ein „Mutmachpreis“. Er will Wege aufzeigen und junge Zahnmediziner motivieren, ihre Träume und Berufsziele umzusetzen. Der dritte LUXX Award 2018 geht an Malte Tobias Schaefer aus Saarbrücken.

Herr Dr. Schaefer — im Januar 2017 haben Sie passend zum 29. Geburtstag die Praxis Ihres Vater übernommen, die er rund drei Jahrzehnte lang in Alleinregie geführt hatte. Das klingt, als seien Sie sehr weich in ein fertiges Nest gefallen …

Malte Schaefer: Die Unterstellung, ich hätte die eigene Selbstständigkeit von meinem Herrn Papa geschenkt bekommen, ohne selbst etwas dafür getan zu haben, höre ich immer wieder. Allerdings habe ich die Praxis ganz regulär gekauft. Wie in solch einem Fall üblich, hatte ich zuvor einen Berater den Wert der Räume und der Einrichtung schätzen lassen und mich mit meinem Vater anschließend auf einen angemessenen Betrag geeinigt. Für den Umbau und die neuen Geräte, Möbel etc. habe ich einen Kredit aufgenommen.

Das klingt aber immer noch so, als sei die Übernahme äußerst unkompliziert vonstattengegangen …

Schaefer: Die eigentliche Übernahme war tatsächlich nicht das Problem. Dafür waren die zwei Jahre davor umso schwieriger. Denn meine Assistenzzeit absolvierte ich bei meinem Vater. Und während dieser Phase zweifelte ich mehr als nur einmal daran, ob die geplante Übernahme wirklich das Richtige für mich ist.

Großzügig – der Empfang

Warum?

Schaefer: Weil mein Vater und ich völlig unterschiedlich ticken, und was die Organisation einer Praxis betrifft, kam es zwischen uns wiederholt zu Reibereien. Das war für mich – und sicherlich auch für meinen Vater – auf Dauer nervlich unglaublich belastend.

Vom 1. bis zum 31. Juli 2018 wird der LUXX des Jahres in einem Online-Voting hier auf www.luxxaward.de gewählt.
Freunde, Bekannte, Patienten und Kollegen
können dann für „ihren“ LUXXter voten.

Können Sie uns ein Beispiel geben?

Schaefer: Zunächst mal möchte ich betonen, dass es auch ein Riesenvorteil war, dass ich die Assistenzzeit in der Praxis meines Vaters absolvierte. Er ermöglichte mir in dieser Zeit sehr viele Fortbildungen und Praktika bei High-End-Zahnärzten und Koryphäen verschiedener Spezialgebiete. Allerdings lag mir in der Praxis meines Vaters viel an einer Verbesserung des Terminmanagements, der Praxisabläufe und des Praxisauftritts generell. Ich möchte nicht unendlich viele Patienten an einem Tag abarbeiten. Ich möchte lieber qualitativ hochwertige Zahnmedizin liefern und mir Zeit für meine Patienten nehmen. Aber keine der Ideen stieß bei meinem Vater auf Gegenliebe. Er sagte nur: „Das kannst du dann ja alles umsetzen, wenn dir die Praxis gehört.“ Das war für mich auf Dauer ganz schön frustrierend. Hinzu kam, dass ich auch von den Mitarbeiterinnen nicht wirklich ernst genommen wurde – für sie alle war ich immer nur der Junior.

Vielfalt – das Team

Was haben Sie später, als frischgebackener Chef, als erstes verändert?

Schaefer: Ganz oben auf der Agenda stand eine Komplettsanierung der Räume. Vor 30 Jahren war die Praxis meines Vaters State oft the Art. Jetzt aber war es aber doch an der Zeit, das 70er-Jahre-Outfit zu erneuern. Wichtig war mir, dass ich mich in der Praxis wohlfühle. Das Ganze ging bei laufendem Betrieb in zwei Etappen über die Bühne. So konnte ich normal weiterarbeiten, und auch für die Patienten hielten sich die Belästigungen zum Glück in Grenzen. Außerdem ließ ich ein Klimasystem einbauen und ein Lichtkonzept passend für die verschiedenen Zonen der Praxis umsetzen. Als nächstes kam ein Marketingkonzept, bei dessen Idee und Konzept mir das Curriculum „Betriebswirt der Zahnmedizin“, das ich 2017 auf Schloss Westerburg absolviert habe, sehr geholfen hat.

Am 7. September 2018 verleihen wir im Rahmen unseres neuen Formats dzw on tour die LUXX Awards in einer Vip-Lounge von Borussia Dortmund im Signal Iduna Park.
BFS health finance unterstützt die Preisverleihung und ist damit der erste Sponsor des LUXX Award.

Ihr Vater war auf Implantologie und Laserbehandlungen spezialisiert. Haben Sie daran etwas geändert?

Schaefer: Nicht wirklich – allerdings arbeite ich mit modernster Technik. So habe ich mich auf navigierte Implantologie mittels DVT spezialisiert und für die Funktionsdiagnostik neue Geräte gekauft. Außerdem arbeite ich mit dem Oraldesigner Ömür Pak zusammen. Deutschlandweit dürfen nur sieben Zahntechniker diesen Titel führen. Er ist in der Lage, für jeden Patienten mithilfe von Foto- und Videotechnik jeweils individuell ein charakteristisches, passendes Lächeln zu erstellen – Full Mouth Cases, die wir Hand in Hand am Wochenende umsetzen. Derart hochwertige Ästhetik-Leistungen hatte mein Vater zuvor gar nicht angeboten.

Mit Aufforderungscharakter – Feel good

Auf der Praxis-Website wenden Sie sich mit „Angsthasen aufgepasst!“ an eine ganz andere Klientel — und dies in sehr lockerem Tonfall …

Schaefer: … Ich habe ein Curriculum Hypnose absolviert speziell für die Behandlung von Angstpatienten. Ich nehme mir sehr viel Zeit für sie und gehe auf ihre Ängste ein. Jeder Mensch hat eine andere Art zu kommunizieren und jeder Mensch hat ein individuelles Schmerzempfinden. Das nehme ich sehr ernst. Vor allem über jameda.de finden mich viele Angstpatienten, die zum Teil sogar eine Anfahrt von mehr als zwei Stunden in Kauf nehmen. Aber auch der lockere Ton auf der Website, über die viele Angstpatienten den Weg in meine Praxis finden, schafft bereits Vertrauen.

Wie haben denn die Bestandspatienten auf die Übernahme reagiert?

Schaefer: Ganz unterschiedlich. Viele waren von dem Wechsel angetan, andere dagegen wünschten sich einen erfahreneren Zahnarzt. Einige wiederum verabschiedeten sich ganz einfach deshalb, weil ich die Preise und Leistungen angehoben habe. Früher war das Wartezimmer voll. Mehrere Patienten kamen gleichzeitig und mussten teils ein bis zwei Stunden warten. Einige kamen ohne Termin und täglich herrschte Chaos für alle. Heute warten meine Patienten maximal fünf bis zehn Minuten und ich bin wesentlich entspannter.

Sie hatten bereits erwähnt, während Ihrer Assistenzzeit als Junior vom Praxisteam nicht ernst genommen worden zu sein. Hat sich das mit der Übernahme geändert?

Schaefer: Ja – allerdings sah ich mich zuvor leider gezwungen, personaltechnisch einen harten Schnitt zu machen. Das heißt: Von den sechs Angestellten meines Vaters habe ich lediglich eine übernommen, die bereit waren, meinen Weg mitzugehen. Die anderen Teammitglieder dagegen zeigten keinerlei Anzeichen, mich als neuen Chef zu akzeptieren. Sie waren nicht dazu bereit, meinem Wusch nachzukommen, wertschätzender mit den Patienten umzugehen. Service war ein Fremdwort und so sah ich im Zuge der Übernahme keine andere Möglichkeit, als ein neues Team zusammenzustellen. Dies besteht derzeit aus sechs Angestellten.

Grün harmonisiert – auch hochkant an der Wand | Fotos: Schaefer

Welchen Tipp können Sie anderen jungen Zahnärzten mit Blick auf die geplante Selbstständigkeit geben?

Schaefer: Mir hat der Abschluss „Betriebswirt der Zahnmedizin“ sehr geholfen, den ich 2017 auf Schloss Westerburg absolviert habe – vor allem, als es darum ging, einen Businessplan zu erstellen und die Banken davon zu überzeugen, mir im Zuge der Praxisübernahme einen günstigen Kredit zu gewähren. Denn im Studium lernt ja man lediglich, wie Zähne gezogen und Füllungen angefertigt werden. In Sachen Betriebsführung herrscht da extremer Nachholbedarf. Wertvoll waren auch die Kontakte, die sich ergeben haben, und die vielen Praktika, die ich bei den „alten Hasen“ der Zahnmedizin machen konnte. Sie haben entscheidend zu meinem Wissen und zur Erweiterung meines Horizonts beigetragen.

Bei allen Reibereien mit dem Vater — was sagt er heute, gut ein Jahr nach der Übergabe, zu Ihnen und Ihrer Arbeit als Nachfolger?

Schaefer: Mir gegenüber hält er sich sehr bedeckt. Aber ich höre von anderen, dass er wohl sehr stolz auf mich ist. Und das erfüllt mich selbst natürlich auch mit Stolz.