„Mut ist der Zauber, der ­Träume Wirklichkeit werden lässt“

LUXX Award: Foroogh Fatehi möchte ihren Patienten die All-in-one-Lösung bieten

Mit dem LUXX Award zeichnen wir junge Zahnmediziner aus, die ihren Weg gehen, ihren Träumen selbst Flügel verleihen und auf ihre Weise Verantwortung übernehmen. Dabei geht es uns nicht darum, die schönsten Praxisbilder oder eine besonders schicke Praxiseinrichtung zu prämieren. Vielmehr zeichnen sich die LUXXter durch ihre ganz eigenen „Ecken und Kanten“ aus – Besonderheiten in ihrer beruflichen Zielsetzung, auf ihrem Lebensweg oder in einem speziellen Praxiskonzept. Der LUXX ist ein „Mutmachpreis“. Er will Wege aufzeigen und junge Zahnmediziner motivieren, ihre Träume und Berufsziele umzusetzen. Deren Projekte präsentieren wir in der dzw sowie auf der Website des LUXX, bevor die Besucher von www.luxxaward.de in einem öffentlichen Online-Voting über ihre Favoriten abstimmen – und so darüber entscheiden, wer den Titel „LUXX des Jahres“ verdient hat. Der vierte und letzte LUXXter in diesem Jahr ist Foroogh Fatehi aus Hannover.

Frau Fatehi, sie sind Iranerin – was hat Sie nach Deutschland geführt?

Foroogh Fatehi: Das war Zufall. Mein Mann besuchte damals seine Familie nach elf Jahren Abwesenheit in Kerman, meiner Heimatstadt. Eines Tages habe ich ihn über Ecken und Freunde auf einer Party kennengelernt. Da war es um mich geschehen. Ein halbes Jahr später habe ich beschlossen, ihm nach Deutschland zu folgen zu heiraten.

Wie kamen Sie auf die Idee, Zahnärztin zu werden?

Fatehi: In meiner Familie sind viele Ärzte und Zahnärzte, die mich bereits mein Leben lang begleitet und geprägt haben. Daher lag es nahe, bereits als Kind mit dem Gedanken zu spielen, die medizinische Richtung einzuschlagen. Andere Berufe kamen für mich nie infrage.

Nachdem Sie nach Deutschland umgezogen sind haben Sie also gleich studiert?

Fatehi: Leider nein. Ich habe in Kerman mein Abitur gemacht und wollte nach meinem Umzug direkt in Deutschland studieren. Allerdings habe ich kein Deutsch gesprochen, und mein Abschluss war für die Immatrikulation nicht ausreichend. Daher musste ich zuerst ein Jahr Deutsch lernen und ein Studienkolleg für ausländische Studenten besuchen. Mit meinem Abschluss habe ich mich dann eingeschrieben und hätte Medizin und auch Zahnmedizin studieren können.

Weshalb haben Sie sich für das Zahnmedizinstudium entschieden?

Fatehi: Ich muss zugeben, dass ich zwischen Medizin und Zahnmedizin hin- und hergerissen war. Beides hat mich schon immer fasziniert. Dass ich in den Bereichen Implantologie und Chirurgie arbeiten wollte, stand für mich allerdings fest. Daraufhin habe ich mich 2007 für Zahnmedizin eingeschrieben. Kurz danach wurde ich schwanger und habe dann im vierten Semester meine Tochter geboren.

Haben Sie Ihr Studium unterbrochen?

Fatehi: Nein, ich habe es durchgezogen. Anderes kam für mich und meinen Mann nicht infrage. Während ich im Krankenhaus lag, habe ich nebenher für die Neuroanatomieprüfung gelernt, die ich fünf Tage nach der Entbindung geschrieben habe.

Woher haben Sie die Kraft für Studium und Kind genommen – war das nicht zu viel?

Fatehi: Durch meine Tochter habe ich einen unglaublichen Motivationsschub erfahren. Zusätzlich hat mein Mann mir den Rücken freigehalten, der durch seine Selbstständigkeit flexibel war. Dadurch hatte ich nie das Gefühl, mein Ziel aus den Augen zu verlieren. Rückblickend hat meine Tochter mich Organisation und Koordination gelehrt und für meine Affinität zu Kindern gesorgt.

Wann haben Sie den Entschluss zur Selbstständigkeit gefasst?

Fatehi: Nach meinem Studium war es mir wichtig, viel Zeit mit meiner Tochter zu verbringen und für sie da zu sein. Deshalb habe ich mich für den sicheren Weg der Anstellung in einer großen Praxis entschieden. Mein Glück: Die Praxis war auf Implantologie spezialisiert, sodass ich der Chirurgie ein Stück näher kam und meinen Chefs im OP assistieren durfte. Für diese Erfahrung bin ich bis heute sehr dankbar. Zeitgleich habe ich mein Curriculum für Implantologie und für ästhetische Zahnheilkunde abgeschlossen, sowie Fortbildungen in den Bereichen Kiefergelenk, Zahnerhaltung und Endontologie absolviert. Nach fünf Jahren Praxiserfahrung habe ich mich mit dem Thema Selbstständigkeit beschäftigt und habe mit dem Gedanken gespielt, diese Praxis zu übernehmen.

Sie haben sich dennoch für Ihre eigene Praxis entschieden – warum?

Fatehi: Die Praxis lag 30 Kilometer außerhalb von Hannover, was eine lange Anfahrt und damit weniger Zeit für die Familie bedeutet hätte. Das wurde für mich ein Ausschlusskriterium. Nach zweijähriger Suche habe ich dann auch eine geeignete Praxis in Hannover gefunden.

Hatten Sie keine Bedenken?

Fatehi: Nein, ich bin generell ein Mensch, der lieber ins kalte Wasser springt, als zu warten, bis es warm wird. Ich woll­te seit der ers­ten Klasse meinen Namen auf dem Praxisschild einer Praxis sehen. Und dem soll­te nichts im Wege stehen. Einzig und allein die wenige Zeit hat mir Sorgen bereitet, da ich gleichzeitig meinen Masterstudiengang in Implantologie und Parodontologie begonnen habe. Das Risiko, am Anfang weniger Geld zu verdienen, war für mich keine Hürde. Vielmehr hatte ich die Sorge, meine Familie zu vernachlässigen.

Wie haben Sie für sich die passende Praxis gefunden?

Fatehi: Ich hatte dabei Hilfe eines Beraters, den ich bereits während meines Studiums kennenlernte. Mit ihm habe ich einige Praxen besichtigt und viel über Strukturen gelernt, die teils hinter einer modernen Fassade marode waren, sobald wir genauer hineinblickt haben. Die Crux: Immer, wenn wir eine Praxis betraten, dachte ich, sie sei perfekt. Die Wahl fiel letztlich auf eine alte Praxis, die weder modern ausgestattet war, noch ansprechend aussah. Ich habe mehrmals nachgefragt, ob sich mein Berater seiner Entscheidung sicher ist. Ich konnte es nicht glauben. Aber er versicherte mir, dass diese Praxis gut laufen würde. Also nahm ich einen Kredit von 400.000 Euro für Sanierungen und neueste Geräte auf und erfüllte mir damit meinen Kindertraum, eine Zahnarztpraxis zu leiten.

Gab es Steine auf dem Weg Ihrer Selbstständigkeit?

Fatehi: Dadurch dass ich einen guten Berater hatte, konnte ich Organisatorisches gut bewältigen und grobe Fehler vermeiden. Das Einzi­ge war, dass sich das Gewerbeamt gleich ankündigte, nachdem ich die Praxis übernommen hatte. Das Problem war, ich hatte noch keinen Überblick über die Akten des Vorgängers. Entsprechend war mein Puls. Im Nachhinein war allerdings alles halb so wild, und es war in Ordnung.

Welche Idee steht hinter Ihrer Praxis?

Fatehi: Ich möchte Patienten die All-in-one-Lösung bieten. Von der einfachen Prophylaxe, über Kieferorthopädie, Vollnarkose für Angstpatienten unter Aufsicht von externen Anästhesisten, bis hin zu chirurgischen Eingriffen, wie Knochenaufbau oder Implantologie. Denn oft werden Patienten von einem zum nächsten Arzt überwiesen. Das kostet Zeit, Nerven und verlangt viel Vertrauen vom Patien­ten. Gerade für Kinder, Menschen mit Behinderung oder Angstpatienten bedeutet das zusätzlichen Stress.

Waren Ihre Mitarbeiter von Beginn an dabei?

Fatehi: Übernommen habe ich nur einen Mitarbeiter. Glücklicherweise sprachen mich zwei Patienten während ihrer Behandlung an, ob ich noch Kräfte für mein Team brauche. Die Art der Bewerbung gefiel mir. Heute gehören sie dazu, wie vier weitere, die ich über konventionelle Wege gefunden habe – oder sie uns.

Wie sieht Ihre Zukunftsplanung aus?

Fatehi: Ich möchte innerhalb der Praxis expandieren, zwei Kieferorthopäden anstellen sowie die Behandlung von Kindern mit kinderspezifischen Methoden verstärken. Aber ein Schritt nach dem anderen. Ich bin einer zweiten Praxis gegenüber nicht abgeneigt, aber bisher bin ich zufrieden und genieße es, mit meinem Team zu arbeiten, Spaß zu haben und Zeit mit meiner Familie verbringen zu können.

Wie entspannen Sie sich nach einem Arbeitstag?

Fatehi: Ich male unheimlich gern mit Acrylfarben und habe mir bereits überlegt, dafür ein Atelier anzumieten. Im Praxisalltag ziehe ich mich zur Mittagspause gerne zurück, damit ich mich danach ordentlich konzentrieren und loslegen kann. Komme ich abends nach Hause, führen mich meist Hund und Tochter zu einem Spaziergang aus. Manchmal hilft auch Yoga.

Haben Sie Tipps, die Sie gerne an Überlegende weitergeben möchten?

Fatehi: Ich bin der Überzeugung, dass alles irgendwie zu schaffen ist, wenn man sich gut organisiert, strukturiert und die richtigen Menschen im Hintergrund hat. Daher kann ich nur empfehlen, sich verschiedene Berater anzuhören, ehe man eine falsche Entscheidung trifft. Mein Motto: Mut ist der Zauber, der Träume Wirklichkeit werden lässt.