Dr. Linda Pieper und Lars Morawek

Arzt2016

Dr. Linda Pieper und Lars Morawek – „Wir haben es trotz aller Anstrengung noch nicht eine Sekunde bereut“


Die vierten LUXXter: Dr. Linda Pieper und Lars Morawek

Mit dem LUXX Award werden Zahnärzte ausgezeichnet, die mit ihrer Praxisgründung eine Vision zum Leben erweckt, ein Konzept mit Leben gefüllt oder Problemen bei ihrer Praxisgründung erfolgreich getrotzt haben. Ihr Beispiel soll anderen jungen Zahnärzten Mut für den Schritt in die Selbstständigkeit machen. Der vierte LUXX geht 2016 deshalb an Dr. Linda Pieper und Lars Morawek aus Warendorf, deren Praxis wir im Folgenden vorstellen.

Wie es halt so ist. Der beste Freund der Eltern ist Zahnarzt, man turnt als Kind immer in dessen Praxis herum – und ehe man sich versieht, ist man selber Zahnarzt. So jedenfalls lief es bei Lars Morawek. Der frühe Kindheitswunsch sei zwar in der Oberstufe beim Anblick der Studieninhalte (Chemie, Physik und Biochemie) kurzzeitig verwässert worden, „dann aber habe ich mich zurückbesonnen und es durchgezogen.“

Dr. Linda Pieper hingegen wollte ursprünglich Lehrerin werden, landete dann aber doch bei der Zahnmedizin. Wie es halt so ist. Und weil sie sich an der Universität Münster im selben Studienjahrgang wie Morawek einschrieb, nahm das Schicksal seinen Lauf: „Wir haben sämtliche Prüfungen zusammen gemacht, sind die sogenannte ,Klinik-Ehe‘ eingegangen und haben das Studium 2009 innerhalb der Regelstudienzeit abgeschlossen“, erzählt der Zahnmediziner. So etwas schweißt beruflich zusammen, und als die ersten Träume von der Selbstständigkeit aufkamen, sei klar gewesen, dass „wir nur gemeinsam eine Praxis aufmachen würden.“

Am 1. April 2014 war es dann auch soweit: Für Pieper und Morawek wurde im medizinischen Zentrum Warendorf der gemeinsame Traum wahr. Eine perfekte Symbiose, wie beide finden: Er decke den chirurgischen Part ab - „Alles, was ein bisschen blutiger ist und mit dem Skalpell zu tun hat.“ Sie habe einen ästhetischen Schwerpunkt und behandele überdies gerne Kinder. Passt.


Wohlfühlen und Vertrauen spielen für Patienten in einer Praxis eine große Rolle.

In der Zeit zwischen Approbation und Selbstständigkeit arbeitete Pieper in einer Praxis im Ruhrgebiet als Assistenzzahnärztin und später als angestellte Zahnärztin in Hamm. Morawek führte sein Weg als Angehöriger der Bundeswehr zunächst nach München, dann ins Bundeswehrkrankenhaus nach Koblenz sowie als Leiter einer Facharztgruppe nach Münster – ehe er 2012 als angestellter Zahnarzt in Hamm mit seiner Studienkollegin wiedervereint wurde. Anfängliche Überlegungen, diese Praxis zu übernehmen, wurden verworfen und Ausschau nach einem passenden Objekt gehalten - auch, weil beide in Münster wohnen und dort gerne bleiben wollten. Der Radius für die Übernahme einer bestehenden Praxis oder eine Neueröffnung war damit also gesteckt. Die Wahl fiel auf Warendorf.

Was folgte, sei die klassische Standortanalyse samt Bedarfsermittlung gewesen. Immer mit ihrem Wirtschaftsberater, Dirk Schulz von der SMS GmbH in Göttingen, sowie einem Experten von der Bank an ihrer Seite. Wohl dem, der seine Berater schon seit Jahren kennt - wie Pieper und Morawek. Vor allem, weil die „irren“ Investitionssummen sehr abstrakt gewesen seien. „Das ist wie ein Spiel: Man macht es am Ende einfach und verlässt sich auf seine Berater, die einen hoffentlich gut beraten haben“, fasst Morawek den finalen Entschluss zusammen. Vertrauen, so der Zahnarzt, sei das A und O. Es gebe gerade für einen Existenzgründer nichts Schlimmeres, als die ganze Zeit „nur herumzueiern und sich fünfzig verschiedene Meinungen einzuholen, auf die es fünfzig verschiedene Antworten gibt.“ Und wenn die Entscheidung erst mal gefallen sei, müsse man sämtliche Zweifel bezüglich des Wagnisses über Bord werfen und an sich und die getroffene Entscheidung glauben.


Dr. Linda Pieper behandelt gerne Kinder …

Eine wichtige Erfahrung sei auf dem Weg dahin auch der Austausch mit Gleichgesinnten: „Wir sind nach wie vor mit Kommilitonen aus dem Studium sehr gut befreundet, weil viele in Münster geblieben sind und wir uns regelmäßig sehen.“ Die Freunde, die sich als erste selbstständig gemacht haben, seien die besten Berater, weil sie schon vieles durchgemacht haben, von dem man selber noch keine Ahnung hat. Denn die betriebswirtschaftliche Ausbildung komme im Studium nun mal nicht vor.

Nach abgeschlossener Standortanalyse gaben Wirtschaftsberater und Bank schließlich grünes Licht. Zumal die optimale Location gefunden schien: Ein neues medizinisches Zentrum im Norden Warendorfs mit diversen alteingesessenen Kollegen (Hausarzt, Internist, HNA und Lungenfacharzt), „die alle ihre eigenen Patienten mitgebracht haben.“ Der Patientenstrom innerhalb des Zentrums habe automatisch die Wahrnehmung „der Neuen“ zur Folge gehabt – und so den Nachteil, „kein Lokalmatador“ zu sein, gemildert. Bei der Praxisausstattung fanden Pieper und Morawek gemeinsam mit Thomas Olbrich von der Firma Pluradent sowie Innenarchitektin Imke Asche einen guten Kompromiss, der in Sachen Funktion und Komfort ihren Vorstellungen entsprach, aber das Budget nicht explodieren ließ.


Heutzutage muss sich auch der Zahnarzt als Dienstleister verstehen.

Morawek: „Wenn wir alles hineingepackt hätten, was der Dentalmarkt heute bietet – etwa ein 3-D-Röntengerät –, hätte es nicht funktioniert“. Dennoch: „Wenn man auf sein Konto blickt und die ganzen roten Zahlen sieht, ist das schon komisch. Gerade an Tagen, wo in der Praxis nicht so viel los ist – in einer neuen Praxis ja ganz normal –, dann bekommt man schon mal Muffensausen. Aber im Endeffekt funktioniert das alles besser, als wir gedacht haben – von daher sind wir also nicht so schlecht beraten worden“, freuen sich die beiden Anfangdreißiger.

Was auch am ausgeprägten Servicegedanken liegen könnte. Denn das Behandlungsspektrum unterscheide sich nicht großartig von dem anderer Praxen. „Wir sind relativ breit aufgestellt, das ist mit Sicherheit ein Vorteil, weil die Patienten – etwa für ein Implantat – in-house bleiben können und das auch so wollen.“ Doch heutzutage, so betonen die beiden Praxisgründer, müsse man sich auch als Zahnarzt als Dienstleister verstehen und versuchen, dem Patienten „eine gute Zeit“ zu bereiten: „Denn Wohlfühlen und Vertrauen spielen eine große Rolle, weil sich jeder Patient seine Praxis schließlich selbst aussuchen kann. Deswegen kann man bei uns seine Termine online buchen und wird per SMS an den Termin erinnert. Auch ein Ratenzahlungsmodell für Zahnersatz gibt es. Das macht unsere Praxis wohl für viele Patienten attraktiv.“

Weniger attraktiv seien natürlich die Nebenschauplätze in einer Praxis. Etwa die ungewohnte Arbeit „mit den ganzen Verwaltungsgeschichten“. Morgens in die Praxis kommen, ein paar Runden Bohren, einer Mitarbeiterin den „Papierkram“ zu überlassen und dann wieder ab nach Hause – diesen Zahn kann Morawek jedem künftigen Praxisgründer gleich ziehen. Es liege immer etwas Neues auf dem Tisch. Aber in diese Rolle wachse man genauso hinein wie in die des Arbeitgebers, dessen Einnahmen ja die Existenzgrundlage für seine zurzeit neun Angestellten (sechs Assistentinnen, drei Zahntechniker – davon zwei Meister) sind. Davor hätten seine Partnerin und er großen Respekt, gleichwohl sie auch stolz sind, mit ihrer Praxis dazu überhaupt in der Lage zu sein.


Bei der Praxisausstattung fand man einen guten Kompromiss in Sachen Funktion, Komfort und Ideen,
der das Budget nicht explodieren ließ
| Fotos: Pieper/Morawek

Und: Die Work-Life-Balance sei gerade in der Anfangszeit noch gehörig in Schieflage, aber „wir passen aufeinander auf, damit der Akku nicht komplett leer wird und das jeweilige Privatleben darunter leidet. Zum Glück sind wir ja zu zweit, sodass wir den Laden nicht schließen müssen, wenn der andere mal eine Woche im Urlaub ist.“

Auch ein Modell, über das Praxisgründer nachdenken sollten. „Unter dem Strich fällt das erste Fazit nach zwei Jahren positiv aus“, sagt Morawek: „Wir haben es trotz aller Anstrengung noch nicht eine Sekunde bereut. Denn diese Freiheit, das Berufsleben frei zu gestalten und für die Dinge verantwortlich zu sein, möchten wir beide nicht missen.“