Lydia & Dr. Steffen Grundmann

Arzt2016

Lydia und Steffen Grundmann – „Die Selbstständigkeit war immer unser Ziel“


Echte Teamarbeit – Die Grundmanns

Als die Tür aufgeht, blicken drei Augenpaare in den Behandlungsraum. Lydia Grundmann hat auf jedem Arm einen der beiden kleinen Zwillinge – einen Jungen und ein Mädchen – , die offenkundig gerade erst wach geworden sind. An ihrer rechten Hand baumelt eine Einkaufstüte. Sie lacht freundlich, sieht aber erschöpft aus. Ihr Mann Steffen unterbricht das Interview, eilt seiner Frau entgegen und nimmt seine Tochter auf den Arm. Diese Szene ist stellvertretend für die Gesamtsituation des jungen Zahnarztehepaars, das seit nunmehr fast drei Jahren mehr als nur beide Hände voll zu tun hat.

Alles war gut durchdacht. Sie waren sich mit den Vorbesitzern einer Praxis in Bad Oldesloe einig geworden, die Finanzierung stand – es konnte also losgehen. Die Voraussetzungen waren optimal: „Wir hatten beide vorher jeweils bereits sieben Jahre lang in hervorragenden Zahnarztpraxen viel Berufserfahrung sammeln können, und das nicht nur fachlich, sondern auch im Bezug auf eine Vision, die wir für uns selbst entwickeln wollten. Außerdem stand uns mein Schwiegervater als erfahrener Zahnarzt mit Rat und Tat zu Seite“, berichtet Dr. Steffen Grundmann. Die Vision: eine sympathische Praxis für die ganze Familie zu sein, die auch in der Lage ist, hochwertige Zahnmedizin anzubieten.


Das Praxisteam wurde übernommen und ist weiter gewachsen.

Am 1. Januar 2013 ging es los, ihre gemeinsame Praxis empfing erstmals Patienten. Doch erstens kommt es bekanntlich anders und zweitens als man denkt. Das bekamen die Grundmanns zu spüren, als sich Lydia Grundmann aufgrund ihrer komplizierten Zwillings-Schwangerschaft bereits im folgenden Mai aus der gerade übernommenen Praxis zurückziehen musste. Viel früher, als eigentlich vorgesehen war. Wo sich vor der Übernahme drei Behandler um die Patienten gekümmert hatten, stand Steffen Grundmann nun ganz alleine da. „Das war schon eine echte Herausforderung“, berichtet der 35-Jährige. Auch deswegen, weil „uns viele der Bestandspatienten ja noch nicht kannten und wir die Sorge hatten, dass sie sich eine andere Praxis suchen würden, sollten wir ihnen keinen zeitnahen Termin anbieten können. Die Sorge war unbegründet. Denn Grundmann nahm die Herausforderung an, wuchs mit seinen Aufgaben: „Ich habe meine Behandlungszeiten extrem verlängert – anfangs bis zu zehn Stunden pro Tag. Auf diese Weise konnten wir den Ausfall meiner Frau kompensieren.“

Dazu gesellte sich das Verständnis jener Patienten bei der Terminvergabe, die von der privaten Situation des neuen Zahnarztehepaars erfuhren. Die persönliche Bindung, die bereits das Verhältnis vieler Patienten zu den langjährigen Vorbesitzern auszeichnete, übertrug sich auch auf die Grundmanns. Um des bereits wachsenden Patientenstamms Herr zu werden, wurde in der Zwischenzeit eine Assistenzzahnärztin eingestellt. Und Anfang September 2015 stieg Lydia Grundmann zunächst für 20 Stunden in der Woche wieder in die Behandlung der Patienten ein. Trotz ihrer Belastung zuhause ließ es sich die junge Mutter nicht nehmen, den „ganzen Papierkram“ der Praxis zu bearbeiten. Echtes Teamwork unter besonderen Bedingungen also. „Das Positive an den ungeplanten Herausforderungen in den vergangenen Jahren war, dass wir kaum Zeit hatten, uns unternehmerische Sorgen zu machen“, sagt Steffen Grundmann.

Lydia und Steffen Grundmann haben sich während ihres zahnärztlichen Studiums an der Universität Greifswald kennengelernt und sind seit ihrem Examen 2005 zusammen. Schon von Beginn an sei ihnen klar gewesen, dass sie zusammen eine Praxis übernehmen wollten, „die Selbstständigkeit war immer unser Ziel“. Ihre Kompetenzen sind in etwa die gleichen, das klassische zahnmedizinische Spektrum werde abgedeckt. Darüber hinaus hat sich Steffen Grundmann als Endodontologe und Implantologe zertifizieren lassen. Mit dem schleswig-holsteinischen Bad Oldesloe fanden die Grundmanns ihre optimale Stadt für den Start in die Selbstständigkeit: „Wir haben nach einer Kreisstadt mit einer überschaubaren Größe gesucht, in der wir durch Weiterempfehlung Vertrauen und einen guten Ruf erarbeiten und unsere Patientenzahl weiter steigern können.“ Auch die Praxis habe mit drei Behandlungszimmern ihren Vorstellungen entsprochen, dazu gibt es hinter dem Haus einen großen kostenlosen Parkplatz sowie davor eine Bushaltestelle. Die Haupteinkaufsstraße liegt nebenan. Außerdem glauben sie, mit ihrer „Vision“ in dieser Gegend ein patientenorientiertes Gesamtkonzept anzubieten: „Wir können durch unsere endodontische Ausrichtung stark geschädigte Zähne erhalten, aber auch implantologische Versorgungen bei verlorenen Zähnen anbieten, ergänzt und unterstützt durch ein erstklassiges Prophylaxekonzept. Und eben das klassische Behandlungsspektrum.“


Große und Kleine ...

Den Grundmanns war es wichtig, die Praxis nicht auf einen Schlag komplett zu modernisieren, um die alteingesessenen Patienten nicht „abzuschrecken“. Bei diesem Übergangsprozess war es auch eine Hilfe, dass die Vorbesitzer die „Neuen“ nicht nur wärmstens empfohlen hatten. Auch das Praxisteam wurde übernommen, „eine von unseren Mitarbeitern ist bereits seit zwanzig Jahren hier und begrüßt einige Patienten sogar mit einer Umarmung“, erzählt Grundmann schmunzelnd. Natürlich habe es anfangs durch die extreme Beliebtheit der Vorgänger, die den Patienten teils auch menschlich sehr nahe standen, die vorhersehbaren Berührungsängste gegeben.


… finden die Praxis cool. | Fotos: Medical Instinct

Heute sind nicht nur alle Behandlungsräume geschmackvoll und modern renoviert, sondern auch noch ein weiteres, viertes Zimmer für die Prophylaxe wurde eingerichtet. Weitere Modernisierungsmaßnahmen werden folgen. Neu ist auch die komplette Digitalisierung der Praxis. Unter den Vorgängern habe es nur an der Rezeption einen Computer gegeben, alles andere wurde noch auf Karteikarten eingetragen. Zunächst eine große Umstellung für fast alle Mitarbeiter in der Praxis. Und nicht nur das: „Wir erwarten von Helferinnen, dass sie teils selbstständig in der Prophylaxe arbeiten, Röntgenbilder anfertigen und Provisorien herstellen – was heute ja eigentlich Standard ist. Deswegen nennt sich der Beruf heute schließlich auch ‚Zahnmedizinische Fachangestellte‘“, sagt Grundmann und ergänzt: „Dieser Prozess hat dazu geführt, dass unsere Mitarbeiter ihre Arbeit nun als befriedigender empfinden und sich einfach wertgeschätzter fühlen, weil sie viel mehr machen können als ,nur‘ Absaugen, Auftischen und Aufräumen.“ Seit Übernahme der Praxis ist das Team um weitere neue Mitarbeiterinnen gewachsen, darunter eine Prophylaxe-Kraft sowie eine Auszubildende.

Rückblickend staunt Grundmann schon, dass all das neben der privaten und den unvorhergesehenen Belastungen erreicht werden konnte. Auch Stolz schwingt dabei mit. Es ist nachvollziehbar, dass sich die Grundmanns freuen, wenn sich die Dinge Schritt für Schritt normalisieren. Wieder mehr Zeit für die Familie, wieder mehr Zeit zum Durchatmen. Eine sympathische Praxis für die ganze Familie haben die Grundmanns aber heute schon. Ihre Vision lebt.